Hallo!
"Den Radweg benutzen!" sagte ploetzlich der Lautsprecher hinter mir
als ich
gestern Abend auf der Muenchner Werinherstrasse auf der Fahrbahn den
Nachhauseweg antrat. Da ich die Frechheit besass, mich bei etwa 30km/h
nicht unverzueglich durch die Reihe geparkter Autos auf den spiegelglatten
Radweg zu teleportieren, wurde die Aufforderung aus dem hinterherfahrenden
Polizeidienstwagen nochmals etwas eindringlicher wiederholt.
Ich fuhr bei naechster Gelegenheit rechts ran und es entspann sich ein
heiterer Dialog im Verlaufe dessen Themen wie Angebotsradwege, der - in
meinem Falle - benutzungspflichtige Radweg und, last but not least auch
benutz*bare* Radwege und die hohe Gefaehrdung der Strassenradler im
Autoverkehr gestreift wurden. Dabei vetrat die Exekutive die interessante
Meinung, dass pflichtige Radwege unter allen Umstaenden zu benutzen seien,
auch wenn sie - wie dieser - spiegelglatt vereist und mit Schneehaeufchen
in unregelmaessigen Abstaenden versehen waeren. Im Zweifel haette man eben
abzusteigen und zu schieben.
Eine passend und in Schrittgeschwindigkeit daherpendelnde Omi "machte es
vor, wie es gehoert".
Der kleine Exkurs ueber (an meinem MTB nicht vorhandene) Speichen- und
sonstige Reflektoren rundete die Unterhaltung ab, ich wuenschte noch einen
schoenen Abend und entschwand, zur Feier des Tages, auf dem Radweg via
Claudius-Keller-Strasse Richtung Heinrich-Wieland-Strasse, den Dienstwagen
stets auf Augenhoehe.
Auf den vielleicht 1000 folgenden Metern wurde ich dann zunaechst (trotz
Festbeleuchtung) vom aus einer Strasseneinmuendung ausfahrenden Taxler
uebersehen und konnte mich mit schwaenzelndem Hinterrad gerade noch so eben
am Heck vorbeimanoevrieren, anschliessend sprang noch ein Fussgaenger
zwischen den geparkten Autos auf den Radweg, ein Polizei-BMW stand,
Gehsteig samt Radweg versperrend und freilich vollkommen unbeleuchtet im
Weg und zur Kroenung zeigte mir noch ein dunkler PKW, wie flexibel und
sportlich man Vorfahrtsregelungen auslegen kann. Meine Reaktions- und
Koordinationsfaehigkeiten wurden also reichlich gefordert.
An einer roten Ampel kam es dann zu einem erneuten Kontakt mit den
wohlmeinenden Beamten von vorhin, die nach eigenen Aussagen "sehr wohl die
Reihung der brenzligen Situationen bemerkt" hatten. Auf der Fahrbahn waere
ich freilich "jetzt schon laengst tot". Wie eben gestern, den Tag
zuvor und
die anderen tausende Kilometer, die ich schon in der Stadt zurueckgelegt
habe.
Aber man weiss nie, wozu es nutze ist, evtl. hat es ja unter den gruenen
Kappen doch ein wenig zum Nachdenken angeregt.
Fortuna muss eine Radfahrerin sein.
Viele Gruesse,
Volker
--
mailto: V B A R T H E L D at G M X dot D E
Volker Bartheld schrieb:
> Aber man weiss nie, wozu es nutze ist, evtl. hat es ja unter den gruene=
n
> Kappen doch ein wenig zum Nachdenken angeregt.
Ist ja ganz nett, so eine Geschichte, aber wen soll sie
in d.r.f. zu etwas bewegen?
K
Hallo Volker!
Wie Manfred schon schrieb, formuliere das Ganze doch bitte als
Beschwerdeschreiben! Dann finden sich hier auch bestimmt genug Leute, die
das nochmal drübersehen. Wenn fertig, dann bitte (mindestens) hier
einreichen:
1) http://www.christian-ude.de/kontakt.html
2) http://www.adfc-muenchen.de/impressum.htm
3) http://tinyurl.com/2lvmtq
Gruß,
Patrick.
Hallo,
was mir dazu noch einfaellt:
In Muenchen/Bayern weht eben noch ein anderer Wind.
Ein Freund hat dort mal 50 DM gezahlt, weil er den falschen Radweg bzw.
einen Radweg in die falsche Richtung benutzt hat.
Daneben hat der selbe Freund mal ca. 1200 DM bezahlt, weil er sein
Auto-Kennzeichen vorne verloren hatte. Vorwurf: Kennzeichenmissbrauch.
Da lobe ich mir mein Leipzig, wo man schon ohne Licht fahrend eine
Streife ueberholen muss, damit man angehalten wird. So zumindest mein
Eindruck.
Allerdings fuehrt das laxe Verhalten der Obrigkeit dazu, dass gefuehlte
75% aller Radler ohne Licht fahren. Die koennten sich gar nicht
vorstellen, wie es als Autofahrer ist...
Bzgl. der Radwegproblematik: Ich bevorzuge die russische Methode: Der
staerkere hat im Zweifel Vorfahrt. Wenn ich nicht erkenne, dass der
Autofahrer mich bemerkt/gesehen hat, halte ich im Zweifel an.
mfg. klaus.
Klaus Herzberg schrieb:
> Bzgl. der Radwegproblematik: Ich bevorzuge die russische Methode: Der
> staerkere hat im Zweifel Vorfahrt. Wenn ich nicht erkenne, dass der
> Autofahrer mich bemerkt/gesehen hat, halte ich im Zweifel an.
Diese Methode versucht jeder anzuwenden, der überleben will -- erstrecht
als
Radfahrer. Sie ist aber keine Lösung in einer zivilisierten Welt.
§ 1 StVO schreibt vor, im Zweifelsfall anzuhalten. Lieber stehen bleiben
und
notfalls das Fahrzeug an Ort und Stelle stehen lassen als einen Unfall
provozieren. Doch die StVO ist wesentlich umfangreicher als nur der erste
Paragraf. Zu Verbesserung der Leichtigkeit des Verkehrs gibt es die
Konstrukte Vorfahrt und Vorrang. Sie sind aber nur sinnvoll, wenn man sich
auf sie verlassen kann. Ansonsten sollte man auf Rechts vor Links oder
Links vor Rechts zurückgreifen. Erst, wenn auch das nicht funktioniert,
sollte man sich allein auf die gegenseitige Rücksicht bzw.
Verständigung
verlassen.
Klaus Herzberg wrote:
> [...]
>
> Ein Freund hat dort mal 50 DM gezahlt, weil er den falschen Radweg bzw.
> einen Radweg in die falsche Richtung benutzt hat.
Nichts gegen Deinen Freund, aber das dürfte gerne häufiger der Fall
sein
(nicht das Geisterfahren, sondern dessen Sanktionierung).
Gruß, Hans
Klaus Herzberg schrieb:
> Allerdings fuehrt das laxe Verhalten der Obrigkeit dazu, dass gefuehlte
> 75% aller Radler ohne Licht fahren. Die koennten sich gar nicht
> vorstellen, wie es als Autofahrer ist...
Gerade eben: auf 2 km allein 2 PKW nur mit rechtem Standlicht, also
nicht eine Lampe defekt, sondern gleich drei. Und einer mit verstelltem
Abblendlicht.
Stefan Zickenrott schrieb:
> Klaus Herzberg schrieb:
>
>> Allerdings fuehrt das laxe Verhalten der Obrigkeit dazu, dass
gefuehlte
>> 75% aller Radler ohne Licht fahren. Die koennten sich gar nicht
>> vorstellen, wie es als Autofahrer ist...
>
> Gerade eben: auf 2 km allein 2 PKW nur mit rechtem Standlicht, also
> nicht eine Lampe defekt, sondern gleich drei. Und einer mit verstelltem
> Abblendlicht.
Vielleicht ist auch nur eine Lampe defekt. Ich meine, es ist bei manchen
Autos möglich, bei laufendem Motor das Standlicht an zu haben. Wenn man
dann den Blinker betätigt, sollte zumindest auch der Blinker blinken. Das
kann aber unterschiedlich geregelt sein. Das Standlicht ist doch nicht
automatisch mit an, wenn man das normale Scheinwerferlicht an hat, oder?
Nur so könnte ich die drei defekten Lampen nachvollziehen. Oder meinst Du
etwa, da hat jemand zwei defekte Scheinwerfer und fährt als
Dauerprovisorium mit Standlicht weiter?